Eine Kolummne in der Fotocommunity-Zeitschrift fotocommunity [plus] 2.2010 geht mir nie ganz aus dem Kopf und drückt mir regelmässig wieder ein breites Grinsen ins Gesicht:
Mach dich nackich
Kolumne von Claudia Keller*
Wenn man als weibliches fotocommunity-Mitglied ein einigermassen okayes Profilfoto zur Schau stellt, bleiben sie nicht aus: Die Anfragen von Fotografen nach einem Akt-Shooting. Als Hobbyknipser getarnte Wölfe, die sich übers Internet die jungen Dinger auf den heimischen Dachboden locken, der als «Fotostudio» getarnt ist, um dann weiss Gott was mit ihnen anzustellen? Ohne mich, ich bin ja nicht Rotkäppchen. Die vermeintlich schmierigen Anfragen beschied ich abschlägig und hielt mich für unheimlich ausgeschlafen.
Nun ist Konsequenz meine Sache nie gewesen, und ich fand mich eines Tages in einem zum Fotostudio umgebauten Dachboden wieder. Nackt. Verkrampft bis in die Zehennägel. Was tu ich hier nur, fragte ich mich. Die Anfrage des Fotografen war so nett, und betatschen wird er dich schon nicht, antwortete ich mir und war mir meiner Sache nicht so sicher. Und überhaupt. Die Erfahrung eines Aktshootings sollte niemand von der Bettkante seines Lebens schubsen. Hinzu kommt, dass Aktaufnahmen beim Profi ungefähr so teuer sind wie ein Flugzeugträger.
Zwei Baustrahler leuchteten meine Problemzonen aus. Auch das mir angebotene Glas Sekt half nichts dagegen, dass ich mich fühlte, wie bei einem unangenehmen Arztbesuch. Der mich fotografierende Dachbodenbesitzer war angezogen, was ich als ungerecht empfand und auch sagte. Der Fotograf lachte und zog sich aus, ich lachte auch und entspannte mich. Eine nackte Frau, ein nackter Mann, eine Flasche Sekt und fünf Stunden harte Arbeit. Sowohl für den Fotografen, der nur mit seiner teuren Kamera bekleidet um mich herumflitzte, Anweisungen gab, am Equipment herumwurschtelte und das Licht immer neu justierte — und für mich. Pose, stillhalten, alle Muskeln anspannen, neue Pose, Körperspannung, Speicherkartenwechsel, volle Konzentration auf beiden Seiten. Von erotischer Atmosphäre nicht die Spur.
Was mir blieb, war ein ordentlicher Muskelkater, eine CD mit wundervollen Aufnahmen und die Erkenntnis: Aktfotografen wollen alle nur das eine: nämlich gute Fotos machen. Und ist der weibliche Körper nicht das schönste Fotomotiv, was die Natur zu bieten hat? Ich habe mich nicht nur von meinen Klamotten, sondern auch von meinem Schubladendenken frei gemacht. Obwohl. Da gibt es noch eine Gruppe Fotografen, der ich nicht so recht über den Weg traue. Die tun immer so harmlos. Aber ich bin ganz sicher, die haben's faustdick hinter den Ohren, die Blümchenknipser.
*Text: Claudia Keller [fc-user:726970] ist Pressesprecherin der fc
